RATGEBERKALKULATION & FINANZEN

Stundensatz berechnen als Handwerker: Formel, Beispiel und die Fehler, die dich Geld kosten

Stand: Juli 2026Lesezeit: ca. 10 MinutenMit Schweizer Rechenbeispiel

KURZFASSUNG

Dein Stundensatz ist die wichtigste Zahl in deinem Betrieb, und die am häufigsten falsch berechnete. Wer nach Bauchgefühl kalkuliert oder beim Mitbewerber abschaut, merkt oft erst beim Jahresabschluss, dass nichts hängen bleibt. Die Formel ist simpel: (Lohnkosten inkl. Nebenkosten + Gemeinkosten) ÷ produktive Stunden × (1 + Gewinnzuschlag). Der Teufel steckt in den Zahlen, die du einsetzt — vor allem bei den produktiven Stunden. Hier die komplette Rechnung mit Schweizer Zahlen.

01 — DER DENKFEHLER

Warum «Bruttolohn durch Stunden» dich ruiniert

Der häufigste Denkfehler geht so: «Mein Monteur kostet mich 6'000 Franken im Monat, arbeitet gut 170 Stunden — also kostet mich die Stunde 35 Franken. Wenn ich 75 verrechne, verdiene ich ja das Doppelte.»

Falsch, und zwar dreifach:

1Der Monteur kostet dich nicht 6'000 Franken, sondern mit Arbeitgeber-Sozialleistungen eher gegen 7'200 Franken. 2Er arbeitet nicht 170 verrechenbare Stunden — nach Ferien, Feiertagen, Krankheit, Fahrzeiten, Werkstatt und Admin bleiben realistisch 140 bis 160 produktive Stunden pro Monat, übers Jahr gesehen oft nur 1'200 bis 1'500 statt der theoretischen ~2'080. 3Von der Differenz musst du noch den ganzen Betrieb bezahlen: Fahrzeuge, Werkstatt, Versicherungen, Werkzeug, Software, Büro — und dann soll auch noch Gewinn übrig bleiben.

Wer diese drei Punkte ignoriert, verrechnet Stundensätze, die sich gut anfühlen und schleichend Verlust produzieren.

02 — DIE FORMEL

Vier Bausteine, eine Rechnung

DIE FORMEL

Stundensatz = (Personalkosten + Gemeinkosten)
÷ produktive Stunden × (1 + Gewinnzuschlag)

Gehen wir die vier Bausteine einzeln durch — mit Schweizer Zahlen.

Baustein 1: Die echten Personalkosten (Bruttolohn + 18–22 %)

Auf den Bruttolohn kommen in der Schweiz die Arbeitgeberbeiträge:

AHV/IV/EO: rund 5.3 % ALV: 1.1 % BVG (Pensionskasse): Altersgutschriften je nach Alter des Mitarbeiters und Vorsorgeplan ca. 7–18 % auf dem versicherten Lohn, davon zahlt der Arbeitgeber mindestens die Hälfte UVG (Unfallversicherung): im Handwerk je nach Risikoklasse ca. 0.5–3 % (Berufsunfall zahlt der Arbeitgeber) KTG (Krankentaggeld): ca. 0.5–2 % Familienzulagen (FAK): je nach Kanton ca. 1–3 %
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Unter dem Strich landest du typischerweise bei 18–22 % Zuschlag auf den Bruttolohn — im bau- und handwerksnahen Bereich mit höheren UVG-Prämien und 13. Monatslohn eher am oberen Rand oder darüber. Faustregel: Bruttolohn × 1.2 = deine echten Kosten. Und vergiss dich selbst nicht: Wenn du als Inhaber mitarbeitest, gehört dein eigener (angemessener!) Lohn genauso in diese Rechnung.

Baustein 2: Die produktiven Stunden — der grösste Hebel

Theoretisch hat ein Vollzeitmitarbeiter rund 2'080 Jahresstunden (52 × 40). Davon gehen weg:

Ferien (4–5 Wochen): ca. 160–200 h Feiertage: ca. 65–80 h (je nach Kanton) Krankheit/Unfall (Erfahrungswert): ca. 50–100 h Weiterbildung, Militär/Zivilschutz: variabel Und der grösste Posten: unproduktive Arbeitszeit — Fahrten zur Baustelle, Material holen, Rüst- und Aufräumzeit, Werkstattarbeiten, Sitzungen, Administration.

Realistisch bleiben 1'200 bis 1'500 verrechenbare Stunden pro Person und Jahr. Jede Fehleinschätzung schlägt eins zu eins durch: Wer mit 1'800 statt 1'400 Stunden rechnet, kalkuliert über 20 % zu billig — und merkt es erst am Jahresende.

Genau hier zeigt sich, warum saubere Zeiterfassung bares Geld wert ist: Ohne echte Zahlen aus deinem Betrieb rätst du diesen wichtigsten Wert. Mit erfassten Zeiten (in upclients fliessen sie automatisch aus jedem Rapport ins Stundenkonto) weisst du nach einem Jahr exakt, wie viele Stunden pro Kopf wirklich verrechenbar waren.

Baustein 3: Die Gemeinkosten

Alles, was der Betrieb kostet, egal ob gearbeitet wird oder nicht: Werkstatt-/Büromiete, Fahrzeuge (Leasing, Versicherung, Treibstoff, Unterhalt), Betriebsversicherungen, Werkzeug und Maschinen (inkl. Abschreibungen/Ersatz — ein gut ausgerüsteter Betrieb gibt hier schnell mehrere tausend Franken pro Jahr und Kopf aus), Software und IT, Telefon, Buchhaltung/Treuhand, Marketing, Berufsverbände, Aus- und Weiterbildung.

Diese Summe verteilst du auf die produktiven Stunden aller verrechenbaren Mitarbeiter. Wer sie «ungefähr» schätzt, vergisst erfahrungsgemäss 500–1'000 Franken pro Monat.

Baustein 4: Der Gewinnzuschlag

Gewinn ist kein Luxus, sondern finanziert Investitionen, Rücklagen für schlechte Zeiten, Garantiefälle, Debitorenverluste und Wachstum. Mindestens 10 % Zuschlag auf die Selbstkosten sind Pflicht; 10–20 % sind branchenüblich vertretbar.

03 — RECHENBEISPIEL

Kleiner Sanitärbetrieb, 3 Monteure + mitarbeitender Chef

Zahlen gerundet und illustrativ — setz deine eigenen ein.

PERSONALKOSTEN
3 Monteure à CHF 78'000 Jahresbrutto (inkl. 13.) × 1.20CHF 280'800 Chef, produktiver Anteil 50 %: CHF 110'000 × 1.20 × 0.5CHF 66'000 Total Personal (produktiv)CHF 346'800
GEMEINKOSTEN PRO JAHR
Fahrzeuge (3 Busse)CHF 36'000 Werkstatt/BüroCHF 24'000 VersicherungenCHF 12'000 Werkzeug/MaschinenCHF 15'000 IT/Software/TelefonCHF 8'000 Treuhand/Marketing/DiversesCHF 15'000 Chef unproduktiver Anteil (Führung/Büro)CHF 66'000 Total GemeinkostenCHF 176'000
PRODUKTIVE STUNDEN
3 Monteure à 1'400 h + Chef 700 h4'900 h
Selbstkosten: (346'800 + 176'000) ÷ 4'900CHF 106.70 / h Mit 15 % Gewinnzuschlag: 106.70 × 1.15≈ CHF 122.70 exkl. MWST

Das ist der Satz, den dieser Betrieb verrechnen muss, damit die Rechnung aufgeht. Alles darunter ist kein «kampfstarker Preis», sondern Substanzverzehr. Übrigens: Material gehört nicht in den Stundensatz — das rechnest du separat ab, üblicherweise mit 10–20 % Zuschlag auf den Einkaufspreis (Beschaffung, Lagerung, Risiko).

Zur Einordnung: Handwerker-Stundensätze in der Schweiz variieren stark nach Gewerk und Region — in Zürich, Genf oder Basel liegen sie spürbar höher als in ländlichen Gebieten. Der Marktvergleich sagt dir, was durchsetzbar ist. Deine Kalkulation sagt dir, was du brauchst. Beides musst du kennen; nur das zweite kannst du selbst kontrollieren.

04 — FEHLER VERMEIDEN

Die 5 teuersten Kalkulationsfehler

1Mit 2'000+ produktiven Stunden rechnen statt 1'200–1'500 → der mit Abstand grösste Hebel, gerne 20–30 % Unterkalkulation. 2Den eigenen Lohn vergessen → «Der Betrieb läuft» heisst nichts, wenn der Chef gratis arbeitet. 3Gemeinkosten schätzen statt rechnen → Software-Abos, Werkzeugersatz, Fahrzeugunterhalt summieren sich unbemerkt. 4Keinen Gewinn einplanen («Hauptsache Auslastung») → Auslastung ohne Marge ist Beschäftigungstherapie. 5Jahrelang nicht anpassen → bei ein paar Prozent Kostensteigerung pro Jahr (Löhne, Prämien, Material) ist ein drei Jahre alter Stundensatz real deutlich zu tief. Einmal jährlich neu rechnen — fixer Termin.
05 — NACHKALKULATION

Kalkulieren ist der Anfang. Nachkalkulieren ist die Wahrheit.

Der berechnete Stundensatz ist eine Planzahl. Ob sie stimmt, zeigt erst der Vergleich mit der Realität: Wie viele Stunden brauchte der Auftrag wirklich? Was hat das Material tatsächlich gekostet? Welche Marge blieb am Ende übrig?

Genau dafür ist upclients gebaut. Du hinterlegst die Kostensätze pro Mitarbeiter (oder einen Betriebsstandardsatz) im Team-Bereich. In jedem Auftrag legst du die Plankosten fest — und dann rechnet die Live-Nachkalkulation automatisch dagegen: Jede rapportierte Stunde, jedes verbaute Material, jede zugeordnete Lieferantenrechnung fliesst in Echtzeit ein. Du siehst pro Auftrag, ob die Marge stimmt — während er läuft, nicht Monate später beim Treuhänder. Und in der Auftrags-Auswertung siehst du die Margen aller Aufträge über die Monate, je Auftrag, Offerte oder Kunde: Welcher Auftrag lohnt sich? Welcher Kunde frisst Marge? Mit diesen Zahlen wird deine nächste Stundensatz-Kalkulation keine Schätzung mehr, sondern Betriebswissen.

FAQ

Häufige Fragen

Was ist ein üblicher Handwerker-Stundensatz in der Schweiz?▼

Das variiert stark nach Gewerk, Region und Qualifikation — pauschale Zahlen führen in die Irre. Entscheidend ist dein kostendeckender Satz aus der eigenen Kalkulation; der Marktvergleich in deiner Region zeigt dir dann den Spielraum nach oben.

Muss ich für Lehrlinge und Hilfskräfte denselben Satz verrechnen?▼

Nein — viele Betriebe arbeiten mit abgestuften Ansätzen (Meister/Vorarbeiter, Monteur, Hilfskraft/Lernender). Wichtig: Auch der tiefste Satz muss die anteiligen Gemeinkosten decken. In upclients kannst du ab dem Pro-Plan Kostensätze pro Mitarbeiter hinterlegen.

Gehören Fahrzeiten in den Stundensatz oder auf die Rechnung?▼

Beides ist möglich, aber entscheide dich und kommuniziere es in der Offerte: Entweder verrechnest du Anfahrt separat (z. B. Anfahrtspauschale oder Fahrzeit zum reduzierten Satz), oder du kalkulierst sie in den Stundensatz ein. Nicht verrechnete und nicht einkalkulierte Fahrzeit ist der stille Margenkiller Nummer eins.

Wie oft sollte ich den Stundensatz überprüfen?▼

Mindestens einmal jährlich, ideal nach dem Jahresabschluss — plus ausserordentlich bei Lohnrunden, Prämienerhöhungen oder grösseren Investitionen.

Brutto oder netto — mit oder ohne MWST?▼

Kalkuliert wird immer netto (exkl. MWST). Die MWST (Normalsatz aktuell 8.1 %) kommt auf der Rechnung obendrauf und ist ein durchlaufender Posten — sie ist nie dein Geld.

Stand: Juli 2026. Sozialversicherungssätze sind Richtwerte und variieren nach Kanton, Branche, Alter und Versicherungslösung — massgeblich sind deine effektiven Abrechnungen. Dieser Beitrag ersetzt keine Treuhand- oder Rechtsberatung.

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